Eigentlich war es ein Jahr zum Vergessen. Aber bem World Cup drehte Alex Cejka auf und wurde mit Martin Kaymer "Vize-Weltmeister".
Im Interview zieht der Mann mit der Gras-Allergie Bilanz und spricht über Gesundheit, Albatrosse und seine Zukunft in den USA.
Herr Cejka, was charakterisiert ihre Golfsaison 2011, der Kampf mit der Allergie
oder der gute Abschluss mit einem zweiten Platz beim Omega Mission Hills
World Cup mit Martin Kaymer und dem achten Platz bei den Thailand Golf
Championship?
Alex Cejka:
Ich denke beides. Klar, meine Allergie hat mich vom Anfang des Jahres richtig
belastet. Bis zur US Open konnte ich noch das ein oder andere Turnier spielen, ab
da ging dann nichts mehr. Ich freue mich natürlich über die letzten beiden guten
Ergebnisse des Jahres, denn ich habe wieder sehr gut gespielt.
Wie sieht es denn momentan mit der Grasallergie aus? Ist denn in den letzten
Wochen eine Besserung eingetreten?
Alex Cejka:
Ich kann leider noch nicht behaupten, dass die Grasallergie ausgeheilt wäre, denn
dafür habe ich noch zu wenig gespielt. Ich befürchte, dass manchmal zu warmes
Klima die Allergie zum Ausbruch brachte. Ich versuche die Faktoren, die zum
Ausbruch führen, herauszufiltern und sie dann hoffentlich erfolgreich zu behandeln.
Also ist die Hitze teilweise Auslöser der Probleme?
Alex Cejka:
Ich denke schon, denn bei sehr warmen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit tritt
der Juckreiz meist heftiger auf. Ich kann es aber nicht genau beurteilen, denn es
könnte auch an den Grassorten auf dem jeweiligen Platz liegen. Ich arbeite immer
noch mit meinen Ärzten in Las Vegas und München daran, die genauen Auslöser für
die Allergie herauszufinden und in den Griff zu bekommen.
Sie haben einen Albatros in Pebble Beach gespielt und beim World Cup
spektakulär von außen eingechippt. Wie wichtig ist ihnen denn neben guten
Scores auch spektakuläres Golf?
Alex Cejka:
Es macht Spaß, wenn man außergewöhnliche Schläge macht, aber jeder weiß, mit
einem spektakulären Schlag gewinnt man kein Turnier. Beim Albatros beim AT&T in
Pebble Beach hat man es ja gesehen, ich habe am Ende kein Top 10
Gesamtergebnis erzielt. Der Albatros hat mir also nicht viel geholfen. Was wichtig ist
bei Turnieren, man braucht Konstanz über vier Runden. Ein Albatros oder ein Hole in
One kann dazu beitragen, dass man weiteres Selbstvertrauen bekommt, aber wie
gesagt, die Konstanz ist wichtiger, als außergewöhnliche Schläge.
Schauen Sie sich solche Höhepunkte nochmals auf Video an?
Alex Cejka:
Eigentlich gar nicht. Man sieht solche Schläge ab und zu noch im TV, wenn ich im
Hotelzimmer bin und mir den amerikanischen Golf Channel anschaue. Wichtiger ist
jedoch, dass man sich nach solch einem spektakulären Schlag wieder auf die
nächsten Schläge konzentriert, dies ist auch für die meisten Spieler sehr schwer,
denn man hat in dem Moment ein außergewöhnliches Glücksgefühl und verliert
etwas den Fokus auf das Wesentliche. Das bringt nicht selten Unruhe ins eigene
Spiel.
Wie viel Selbstvertrauen gibt ihnen denn jetzt der achte Platz, den sie am
letzten Wochenende in Thailand erzielt haben für die neue Saison?
Alex Cejka:
Ganz viel. Ich muss sagen ich bin sehr stolz und habe sehr gut gespielt. Dieses
Ergebnis zeigt mir, dass ich wieder auf einem guten Weg bin. Ich weiß, dass ich ein
guter Spieler bin und in den letzten Jahren weit unter meinem Niveau gespielt habe.
Dies zeigt auch meine Platzierung in der Weltrangliste, wo ich vor ein paar Jahren
noch unter den Top-50 war. Die Ergebnisse beim World Cup und in Thailand zeigen
aber auch, dass mit mir immer noch zu rechnen ist. Ich muss versuchen mehr
Konstanz in mein Spiel zu bringen, denn ich habe immer eine Runde dabei, die mir
ein gutes Gesamtergebnis verhagelt. Wenn ich es schaffe die Konstanz in mein Spiel
zu bekommen, dann kann ich Turniere gewinnen, da bin ich mir sicher.
Jetzt ist Winterpause, werden da die Schläger erst einmal in die Ecke gestellt
oder trainieren sie weiter, um beim Saisonstart wieder in Form zu sein?
Alex Cejka:
Eigentlich trainiere ich immer. Meine Kinder kommen nach Las Vegas, um
gemeinsam Weihnachten und Silvester zu feiern, darüber freue ich mich sehr. Ich
werde aber trotzdem täglich ein oder zwei Stunden trainieren, dass bin ich halt.
Natürlich werde ich auch Ruhepausen einlegen, um mich zu erholen. Ich muss
sagen, ich habe immer noch großen Spaß am Golfspiel und am Trainieren.
Fünf Turniere bleiben ihnen 2012 durch die „Medical Extension“ auf der US
PGA Tour, ihre volle Tourkarte doch noch zu schaffen. Wie groß ist da der
Druck für sie gleich am Anfang der Saison?
Alex Cejka:
Es gibt immer Druck. Egal, ob ich eine Tourkarte habe oder nicht. Jedes Jahr beginnt
der Kampf darum im Januar und endet im Herbst. Egal welches Turnier man spielt,
die Konkurrenz ist immer groß. Es kommen immer neue und junge Spieler nach, die
teilweise stärker sind oder die Bälle weiter schlagen und keine Angst haben. Bei fünf
Turnieren gibt es natürlich einen gewissen Druck, denn ich muss ein paar sehr gute
Ergebnisse abliefern. Wenn ich in Form bin, kann ich mich bei ein paar Turnieren
unter die Top-5 spielen und die Tourkarte doch noch schaffen. Es wird allerdings
nicht einfach werden.
Steht denn schon fest welche Turniere sie spielen werden?
Alex Cejka:
Ja, ich werde zum ersten Mal bei der Human Challenge, der ehemaligen Bob Hope
Classic, am 19. Januar 2012, an den Start gehen. Dann ist mein Plan als nächstes
beim AT&T Pebble Beach National Pro-Am zu spielen, denn ich liebe dieses Turnier.
Anschließend steht die Honda Classic im PGA National Resort in Palm Beach auf
meinem Programm, wo ich meine Freunde Claudia und Jürgen Rassmann wieder
treffen werde.
Sollte der Fall eintreten, dass sie bei den fünf Turnieren ihre Tourkarte nicht
erzielen können, was passiert dann?
Alex Cejka:
Ich bin in der Moneylist momentan auf Rang 163 und benötige nur $ 67.041,-- an
Preisgeld in den fünf Turnieren, um mich unter die Top-150 zu schieben. Schaffe ich
das, bekomme ich eine Kategorie auf der US PGA Tour und kann dadurch noch
einmal sieben bis zehn Turniere spielen. Ich habe auch eine „Medical Extension“ auf
der European Tour bekommen und dadurch die Möglichkeit auf der European Tour
zu spielen.
Macht man sich denn Gedanken über die berufliche und finanzielle Zukunft,
wenn man wie Sie, einer hartnäckigen Krankheit ausgesetzt ist?
Alex Cejka:
Klar, jeder in meiner Situation würde Angst um die Zukunft haben, wenn man sechs
Monate nicht richtig spielen konnte. Man macht sich viele Gedanken darüber, wie es
weiter geht. Ich versuche daran zu denken, welch tollen Beruf ich habe und die
positiven Dinge in den Vordergrund zu stellen. Ich setzte alles daran und werde
weiter kämpfen, um an Auf welcher Tour kommen sie denn am besten zurecht, Amerika oder Europa?
Alex Cejka:
Ich muss sagen auf beiden Touren. Ich mag beide Touren, doch momentan bin ich in
Las Vegas zuhause. Auf der US PGA Tour zu spielen war immer ein Traum von mir,
den ich mir erfüllt habe. Es macht großen Spaß hier, doch meine Wurzeln liegen in
Europa. Ich habe noch viele Verbindungen und Freunde dort. Ich freue mich immer
auch Turniere in Europa spielen zu können.
Gibt es für sie eine Spielsituation der vergangen Saison, die ihnen besonders
stark im Gedächtnis geblieben ist. Zum Beispiel der Putt für den zweiten Platz
beim World Cup?
Alex Cejka:
Ich denke sie haben es richtig eingeschätzt. Beim letzten Putt in Mission Hills beim
World Cup stand ich schon mächtig unter Druck. Es hat sehr großen Spaß gemacht
mit Martin Kaymer zu spielen und ich hätte es schade gefunden, wenn wir nicht Rang
zwei belegt hätten, denn wir haben uns sehr gut ergänzt und gut gespielt. Dieser Putt
aus gut 5m war kein „Gimmie“, aber ich war mir sicher, dass ich ihn lochen konnte.
Mein gutes kurzes Spiel hat mir in der Woche viel Selbstvertrauen gegeben. Ich hatte
in den Runden zuvor auch ein paar Bälle von außen eingechippt und lange Putts
versenkt.
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